Was ist ein chronisches Lärmtrauma?
Das chronische Lärmtrauma entsteht, wenn Personen ständig hohen Lärmbelastungen ausgesetzt sind. Es unterscheidet sich vom akuten Lärmtrauma dadurch, dass schon geringere Dezibel-Stärken zu einem chronischen Lärmtrauma führen können. Allerdings entwickelt sich das chronische Lärmtrauma, das genauso als Lärmschwerhörigkeit bekannt ist, meist über viele Jahre hinweg und die Erkrankung verläuft dementsprechend schleichend. So bemerken Betroffene oft gar nicht, dass sie ein akustisches Problem haben.
Auch beim chronischen Lärmtrauma kommt es zu Schädigungen an den Sinneszellen der Hörorgane im Inneren des Ohrs. Da diese Organe dem Lärm aber über viele Jahre hinweg ausgeliefert sind, verlaufen die Schädigungen sehr langsam.
Die Ruhepausen sind wichtig
Das Gehör ist ein äußerst leistungsfähiges Organ unseres Körpers. Es kann viele Beschädigungen wieder reparieren, vorausgesetzt, man gönnt ihm die dafür benötigten Ruhepausen. Doch gerade hier stellt sich eine Schwierigkeit heraus: Denn unser Gehör ist Tag und Nacht in Empfangsbereitschaft. Es nimmt Geräusche immer wahr, selbst im Schlaf. Das Ticken des Weckers, der nächtliche Straßenverkehr vor dem Schlafzimmerfenster oder auch die Dauerberieselung mit Hintergrundmusik im Supermarkt lassen das Gehör nie ganz zur Ruhe kommen.
Damit es sich aber dennoch regenerieren kann, ist es zwingend erforderlich, dass wir unserem Gehör Ruhephasen schenken. Das kann ein Spaziergang im Wald sein, fernab jeglichen Verkehrslärms, am besten auf unbekannten Wanderwegen, die nicht von zu vielen anderen Menschen frequentiert werden. Das kann aber gleichermaßen das Lesen eines Buches im Bett sein, idealerweise bei geschlossenem Fenster.
Berufskrankheit chronisches Lärmtrauma
Die Lärmschwerhörigkeit ist überdies eine typische Berufskrankheit. So werden die Berufsgenossenschaften immer häufiger darüber in Kenntnis gesetzt, dass die Mitarbeiter in Unternehmen unter dem chronischen Lärmtrauma leiden. Insbesondere in der Metallindustrie, im Bergbau, beim Arbeiten an Motorenprüfständen, Kompressoren oder Gasturbinen sowie beim ständigen Umgang mit Sägen in der Holzbearbeitung kommt es zum chronischen Lärmtrauma. Aber auch Druckereimaschinen und sogar Web- und Spinnmaschinen in der Textilindustrie sind mittlerweile mit hohen Lautstärken versehen, die das Gehör beeinträchtigen können.
So haben Untersuchungen ergeben, dass eine Geräuschkulisse von 85 Dezibel, die eigentlich unschädlich ist, zu einem chronischen Lärmtrauma führen kann, wenn man diesen Geräuschen 40 Stunden pro Woche ausgesetzt ist. Insgesamt zählen die Berufsgenossenschaften derzeit rund 12.000 Verdachtsfälle pro Jahr, die für ein chronisches Lärmtrauma sprechen. Deshalb sehen sie genauso immer mehr Bedeutung darin, die Mitarbeiter mit einem entsprechenden Hörschutz auszustatten oder sie regelmäßig von einem anerkannten Facharzt untersuchen zu lassen.
Der Verlauf des chronischen Lärmtraumas
Das chronische Lärmtrauma verläuft schleichend. Betroffene merken zunächst nichts von ihrer Lärmschwerhörigkeit. Sie stellen den Fernseher etwas lauter oder passen auch die eigene Stimmlautstärke ihrem Hörvermögen an. Das fällt in der Regel gar nicht weiter auf, bis dann die echte Schwerhörigkeit eintritt.
Liegt ein solcher Hörschaden allerdings vor, dann ist es meist zu spät für eine Behandlung. Lediglich ein spezifisch angepasstes Hörgerät kann die verminderte Hörleistung wiederherstellen. Da aber selbst das chronische Lärmtrauma oftmals mit den als Tinnitus bekannten Ohrgeräuschen einhergeht, muss erwähnt werden, dass das Hörgerät diese nicht verringern kann.
Klassifikation nach ICD-10
H93.1 Tinnitus aurium
Der Begriff Tinnitus aurium, kurz Tinnitus leitet sich aus dem lateinischen ab und bedeutet so viel wie „das Klingeln der Ohren“ und beschreibt das Symptom bereits in seinem Kern. Umgangssprachlich nennen wir es heute „Ohrengeräusche“ – mitunter auch als Ohrensauen, Ohrenpfeifen, Ohrengeräusche bezeichnet.
